Nachdem Präsident Hamid Karzai am Donnerstag Noorullah Delawari als neuen Chef der in Schwierigkeiten geratenen afghanischen Zentralbank nominiert hatte, bestätigte das afghanische Parlament die Wahl Karzais heute. Erste Aufgabe des neuen Chefs dürfte es sein, den jüngsten Skandal der Kabul Bank aufzuarbeiten. Dort hatte es massive Fälle von Veruntreuung und Missmanagement gegeben. Eine schwere Hypothek für den neuen Mann.
Delawari hat eine exklusive Karriere hinter sich und verfügt über große Erfahrung. 1967 verließ er das Land und studierte in England und an der Universität Kalifornien in Los Angeles. Als in Afghanistan das politische Chaos ausbrach und wenig später die Russen einmarschierten, entschied sich Delawari, in den USA zu bleiben. Er arbeitete für mehrere Banken in Kalifornien und kehrte erst 2002, nach der amerikanischen Invasion, nach Afghanistan zurück. Seitdem ist er mit anderen ehemaligen Exilanten damit beschäftigt, die afghanische Zentralbank und natürlich den gesamten afghanischen Bankensektor auf Kurs zu bringen. Delawari ist nicht unumstritten, auch die Korruptionsvorwürfe haben seine Person nicht ausgelassen. Allerdings ist der Wirtschaftsexperte den Taliban auch aus persönlichen Gründen nicht gewogen: Seine Tochter Ariana hielt sich während der Anschläge vom 11. September in einem Nachbargebäude des World Trade Center auf.
Delawari steht jetzt die Mammut-Aufgabe bevor, die Zentralbank zu reformieren. Sein Vorgänger, Abdul Nadir Fitrat, hat sich dabei nicht gerade mit Ruhm bekleckert und verließ die Bank im Juni nach sechs Jahren mit einem Verlust fast einer Milliarde US-Dollar. In den letzten Monaten wurde die Entwicklungshilfe für Afghanistan auf breiter Front reduziert, zuletzt gab es dennoch vom IMF positive Signale. Delawari könnte weiter dazu beitragen, dass Afghanistan finanziell auf solideren Beinen steht.