Während Präsident Karzai diese Woche in Bonn weilte und an einer internationalen Konferenz zur Lage in der Region teilnahm, verschlechtert sich die Stimmung merklich hier in Kabul. Besonders bei den Mitarbeitern der vielen Hilfsorganisationen, die vor Ort so ausgezeichnete Arbeit leisten, befindet sie sich auf einem Tiefpunkt. Grund für den Pessimismus sind Ängste über die Zukunft des Landes angesichts des drohenden Abzugs der NATO-Truppen in wenigen Jahren.

Zwar sagten die USA in Bonn erneut finanzielle Unterstützung zu und auch Deutschland erneuerte sein Versprechen, Afghanistan nicht sich selbst zu überlassen. Dennoch ist angesichts der sich ausweitenden Wirtschaftskrise in Europa und der angespannten Wirtschaftslage in den USA die Angst groß, dass weitere Einschnitte bei Finanzhilfen mit dem Abzug der Truppen einhergehen könnten.

Die USA hatten ihr Hilfsbudget für das Fiskaljahr 2011 bekanntlich bereits um die Hälfte von 4 Milliarden auf 2 Milliarden USD reduziert. Dass hatte auch direkte Konsequenzen für Organisationen wie CARE, die laut einer Pressemeldung 80 Prozent ihres Jahresbudgets verloren. Das Resultat: Kündigungen, Kürzungen und Streichung von wichtigen Programmpunkten. Zwar gibt es auch Stimmen, die sagen, man könne nach wie vor effektiv Hilfe anbieten, doch die Pessimisten gewinnen langsam aber sicher Überhand.

Dementsprechend mahnte Karzai in Bonn, die Kriegsmüdigkeit der Allierten dürfe nicht dazu führen, die Ziele für Afghanistan und die gesamte Region aus den Augen zu verlieren. Angesichts der sich verschlechternden Beziehung mit Pakistan dürfte er damit richtig liegen. Karzai forderte insgesamt 10 Milliarden USD Unterstützung pro Jahr, um die Armee aufrecht zu erhalten, Polizeikräfte zu trainieren und die Regierung am Laufen zu halten. “Wir brauchen Ihre Unterstützung”, sagte Karzai Reportern, “zusammen haben wir den Terrorismus bekämpft und dafür Blut und Ressourcen geopfert.” Man dürfe jetzt nicht einknicken.

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