Ein vor kurzem erschienener Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) zeigt einen gewaltigen Anstieg des Wertes von in Afghanistan produziertem Opium. Die Einnahmen durch die afghanische Opiumproduktion beliefen sich 2011 demnach auf 1,4 Milliarden US-Dollar, was in etwa 1,1 Milliarden Euro entspricht und neun Prozent des Bruttoinlandsproduktes Afghanistans ausmacht. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr beläuft sich auf 133 Prozent. Der Exportwert lag sogar bei 2,4 Milliarden US-Dollar (in etwa 15 Prozent des BIP). Auch die Menge des produzierten Opiums ist rasant gestiegen. So wurden laut UN-Bericht ca. 3600 Tonnen des Rauschmittels produziert, 2011 schon 5800 Tonnen, ein Anstieg von 61 Prozent.
2010 war die Ernte aufgrund einer Pflanzenkrankheit stark vermindert, so dass sich ein Mangel an frischen Opium abzeichnete. Ein starker Preisanstieg wurde vorhergesagt, allerdings wurden jegliche Erwartungen übertroffen. Ein weiterer Grund für den rasanten Anstieg liegt außerdem in der gleichzeitigen Abnahme des Preises für Weizen. Laut UN-Bericht wurde in Afghanistan mit der Droge ein elfmal höherer Gewinn als mit Weizen erwirtschaftet – so eine große Differenz gab es seit 2003 nicht mehr.
Afghanistan ist der weltweit größte Opiumproduzent, mit keinem anderen Rohstoff lassen sich dort so große Geldmengen erwirtschaften. Mehr als die Hälfte der betroffenen Bauern gaben zu, den Schlafmohn, aus dem das Opium hergestellt wird, vor allem wegen des hohen Gewinns anzubauen. Der Geschäftsführende der UNODC, Yuri Fedotov, nannte das Rauschmittel einen „bedeutenden Teil der afghanischen Wirtschaft“, außerdem trage es „beträchtlich zur Finanzierung der Aufstände und der Korruption“ bei. Er forderte ein deutlicheres Eingreifen der afghanischen Regierung und auf internationaler Ebene.
